das bemerkenswerte Buch
das bemerkenswerte Buch

 

 

Marianne Sterling

 

Die literarische Arbeit Kafkas als spezifischer Ausdruck seines Charakters

 

Versuch einer Deutung aus dem Blickwinkel der Anti-Psychiatrie

 

 

17 x 22 cm, Ppb., 167 Seiten, 16.80 Euro

ISBN 978-3-938878-08-8

 

 

 

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Über das Buch

 

Wer Kafka als Menschen versteht, weil er sein Leben genauer kennt, der wird auch einen viel leichteren Zugang zu seinen oft als rätselhaft empfundenen Texten bekommen.

 

Bei ihrer Interpretation mit dem Instrumentarium der Anti-Psychiatrie läßt Marianne Sterling das Bild der Persönlichkeit Kafkas entstehen. Es wird der Bogen geschlagen von der psychischen Struktur der Dichterpersönlichkeit zur Besonderheit seiner Dichtung, die vor dem gezeichneten Hintergrund klarer und verständlicher wird.  

 

Der 1978 an der Freien Universität Berlin als Wissenschaftliche Hausarbeit vorgelegte Text, der spannend zu lesen ist, wird hier erstmals veröffentlicht. Damit wird dem Leser erfreulicherweise eine Arbeit übergeben, die schon zu lange in den Universitätsarchiven geschlummert hat.

 

 

 

Leseprobe

 

Gerade noch hatte ich festgestellt, daß Kafkas Beziehungen zu Frauen ganz unkompliziert waren. Anders sah es aus, wenn Kafka Beziehungen zu Frauen einging, die auf das „Äußerste, das einem Menschen überhaupt gelingen kann“, nämlich die Ehe, abzielten. Natürlich wollte er mit all seiner Kraft dieses „Äußerste“ erreichen, denn im Gelingen einer Ehe sah er die größte Chance, seinem Vater „ebenbürtig“ zu werden, der in allen Anstrengungen seines Sohnes, sein Leben auf eigene Art zu meistern, stets nur „Mißerfolge“ sah.

Die Heirat ist gewiß die Bürgschaft für die schärfste Selbstbefreiung und Unabhängigkeit. Ich hätte eine Familie, das Höchste, was man meiner Meinung nach erreichen kann, also auch das Höchste, das Du erreicht hast, ich wäre Dir ebenbürtig.

Der erste Versuch Kafkas, seinem Vater auf höchster Ebene ebenbürtig zu werden, war seine Beziehung zu Felice Bauer, die er als 25-jährige kaufmännische Angestellte aus Berlin am 13.8.1912 während ihres Besuches im Hause Max Brods kennenlernte. Das war zu jener Zeit, als er verzweifelt darum kämpfte, etwas zu Papier zu bringen, das seinen Ansprüchen genügt.

Am 20.8.1912 machte Kafka die erste Eintragung über Felice in sein Tagebuch:

Fräulein F.B. Als ich am 13. August zu Brod kam, saß sie bei Tische und kam mir doch wie ein Dienstmädchen vor. Ich war auch gar nicht neugierig darauf, wer sie war, sondern fand mich sofort mit ihr ab. Knochiges leeres Gesicht, das seine Leere offen trug. … Während ich mich setzte, sah ich sie zum erstenmal genauer an, als ich saß, hatte ich schon ein unerschütterliches Urteil.

Am 20.9.1912 schrieb er ihr seinen ersten Brief nach Berlin, gar nicht sicher, ob sie sich seiner einen Monat nach der flüchtigen Begegnung bei den Brods noch erinnern würde. Damit begann eine fünf Jahre währende Briefeflut (die nach ihrer Veröffentlichung stürmischste Reaktionen seitens ihrer Leser hervorrief, die von abfälligen Kommentaren bis zu Eingeständnissen tiefer Ergriffenhein reichten).

Daß diese Beziehung für Kafka so positiv wie nur denkbar begann, mobilisierte sie doch seine schriftstellerische Potenz in einem ihm bisher unbekannten Maße, ist schon erwähnt worden. Mit Beginn der Korrespondenz wurden seine Eintragungen in sein Tagebuch für viereinhalb Monate völlig unterbrochen, und auch im folgenden Jahr (1913) brachte er es im Tagebuch auf nur 36 Druckseiten, die meistens ganz knappe und von langen Pausen unterbrochene Eintragungen enthalten. Währenddessen entstanden von Januar bis September 1913 (dann brach der Briefwechsel zunächst einmal ab) 245 Druckseiten Briefe an Felice, in denen Kafka all das verhandelte, was er ehedem seinem Tagebuch, von dem er im Jahr zuvor noch sagte: „Das Tagebuch von heute an festhalten!“, anvertraut hatte.

 

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Marianne Schneider

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