das bemerkenswerte Buch
das bemerkenswerte Buch

 

 

 

 

Manfred Kyber

 

Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus vom Altertum bis zur Gegenwart

Neuausgabe des 1923 bei Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart Berlin Leipzig erschienenen Buches

 

17 x 22 cm, Ppb., 164 Seiten, 12.80 Euro

ISBN-13: 978-3-938878-03-3

 

 

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Über den Autor

 

Der deutsche Schriftsteller (Erzähler und Lyriker) Manfred Kyber wurde am 1.3.1880 in Riga geboren, übersiedelte 1900 nach Deutschland und starb am 10.3.1933 in Löwenstein bei Heilbronn in Württemberg.

 

Kyber begann seine berufliche Laufbahn, und das ist immer auch seine künstlerische, in Riga, wo er die „Deutsche Volksbühne“ leitete. Von 1900 -1902 studierte er Philosophie, Psychologie und Deutsche Literaturgeschichte in Leipzig, 1911 wird er Anhänger Rudolf Steiners und dessen anthroposophischer Bewegung. Bis 1918 arbeitete er als Verlagsangestellter in Berlin und Stuttgart, und ab 1923 lebte er bis an sein Lebensende in Löwenstein.

 

Kyber ist zu Lebzeiten vor allem durch seine anthroposophischen Tiergeschichten bekannt geworden. Sein vehementer Einsatz für den Tierschutz brachte ihm 1930 den Welt-Tierschutzpreis in Genf ein. Beliebt waren auch seine Märchen und Grotesken.

All seine Texte zeichnen sich durch eine tiefe humane Perspektive aus.

 

Sein dichterisches Werk:

Drei Waldmärchen (1902), Gedichte(1902); Coeur-As (1905), Meister Amadeus (1906), Der Schmied vom Eiland (1908), Unter Tieren (1912), Drei Mysterien (1913), Genius Astri (1918), Märchen(1920), Der Königsgaukler (1921), Im Gang der Uhr (1922), Stilles Land (1922), Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus (1923), Tierschutz und Kultur (1925), Neue Tiergeschichten (1926), Der Mäuseball und andere Tiermärchen (1927), Puppenspiel. Neue Märchen (1928), Die drei Lichter der kleinen Veronika (1929), Neues Menschentum - Betrachtungen in zwölfter Stunde (1931)

 

 

Aus dem Inhalt des vorliegenden Buches

 

Initiation und Logenwesen − Magie des Mittelalters und der niederen Völkerschaften − Spiritismus − Hypnose − Mediales und künstlerisches Schaffen − Gespenster und Geister − Träume und Traumerlebnis − Hellsehen und Prophetie − Schicksal und freier Wille − Gottesbegriff − Kulturwende der Gegenwart

 

 

Leseprobe

 

3. Vortrag:

 

Nichts im ganzen Okkultismus steht irgendwie in Widerspruch mit den wirklichen Ergebnissen moderner wissenschaftlicher Forschung. Im Widerspruch mit der Mystik und im Widerspruch mit den Tatsachen steht die Wissenschaft erst dann, wenn sie ihr rein physisches Forschungsgebiet als alleiniges betrachtet und Folgerungen zieht, die niemals richtig sein können, weil sie nur die an sich richtigen Tatsachen der einen Hemisphäre annimmt, die andere Hemisphäre aber leugnet. Es liegt auf der Hand, daß jede Folgerung dieser Art notwendig falsch sein muß, die mit solcher Halbkreiseinstellung, mag diese auch noch so genau erforscht und belegt sein, einen Kreis schildern oder beurteilen will.

Es gilt heute eben, wieder einzusehen, daß wir, bereichert mit einem größeren Horizont rein physischer Forschung, uns wieder zuwenden müssen den geistigen Welten, deren Bürger wir in gleicher Weise sind. Auch hier muß man sich völlig unfanatisch einstellen, ebenso frei vom mystischen wie vom materialistischen Vorurteil. Ohne weiteres wird man zugeben müssen, daß zum Beispiel eine alte Kultur niemals so genau die Rinde eines Baumes untersucht und gekannt hat, wie die heutige Wissenschaft − aber ebenso klar muß man sich darüber sein, daß die heutige Wissenschaft dafür sehr viel weniger weiß von den Kräften, die in einem Baume leben, die ihm erst Wachstum und Lebenskraft geben, als frühere alte Hochkulturen gewußt haben.

 

5. Vortrag:

 

Ich erwähnte schon die Prophetie des Altertums, das Orakel von Delphi, die römischen Auguren und die heidnischen Priester und Priesterinnen. Bei allen liegt, wenn es sich nicht, wie in sehr vielen Fällen, um bewußten Betrug handelt, ein mehr oder weniger ausgeprägtes Hellsehen vor. Die Weissagungen der Bibel, die Mythologie, beruhen auf hellsichtigen Wahrnehmungen großer Eingeweihter und geistiger Führer, die ihre Voraussagen in Bilder kleideten, die, wenn auch nicht immer jedem verständlich, meist tiefe Geheimnisse und Erkenntnisse bergen. Im Mittelalter ist auch dieser Zweig des Okkultismus immer mehr korrumpiert und einem abergläubischen Chaos zugetrieben worden, gegen das als einzig mögliche Reaktion der Rationalismus entstehen mußte.

Das ändert natürlich nichts an der Tatsache der Prophetie als solcher und der Forderung des Tages, nun wieder die Denkfehler des Rationalismus abzulegen, die einmal eine vorübergehende Notwendigkeit waren.

Sie werden mich nun fragen, wie man sich persönlich zum Hellsehen stellen soll − und ich möchte Ihnen darauf antworten: wie zu allen Gebieten des Okkultismus auch zu diesem wichtigsten: ohne materialistischen Dünkel und ohne mystischen Aberglauben. Ich empfehle niemandem, die Gelegenheiten aufzusuchen, sich von hellsichtigen Personen sein Schicksal sagen zu lassen. Ebensowenig aber würde ich es in einer so ereignisschweren Zeit wie der heutigen für richtig halten, einer sich von selbst bietenden Möglichkeit ängstlich auszuweichen, es sei denn, daß man eine deutliche Abneigung davor empfindet, die dann wohl meist eine Warnung des Überbewußtseins sein dürfte. Freilich soll man sich nicht irgendwelche Voraussagen aus billiger Neugier machen lassen. Wird einem nun aber von einem Hellsichtigen etwas gesagt, so ist es eine unerläßliche Bedingung, daß er auch vor allem Ereignisse der Vergangenheit richtig anzugeben vermag, denn die Zukunftsangaben allein können ebensogut nichts als Spielerei oder Betrug sein. Ein Beweis der Hellsichtigkeit ist im persönlichen Falle erst dann erbracht, wenn auch die sofort nachprüfbare Kenntnis der Vergangenheit wenigstens in einzelnen charakteristischen Momenten geboten wird.

Ferner sollte man niemals blind auf solche Aussagen sich verlassen, sein Handeln und Denken nun ganz nach ihnen einrichten. Auch ein Hellseher ist kein Automat und kann sich sehr täuschen, kann indisponiert sein usw. Zudem muß man sich stets vor Augen halten, daß selbst ein hochgradig hellsichtiger Mensch doch nur Teilbilder eines Schicksals beim anderen sehen wird, Bilder, die in ihrer Weise wohl sich erfüllen mögen, die aber sehr wesentlich modifiziert werden können durch andere, die der Hellseher in diesem Augenblick nicht wahrnimmt. ...

...Unter allen angeführten Gesichtspunkten aber richtig eingeschätzt, kann die Angabe eines Hellsehers zur wertvollen Bereicherung des Horizonts werden – und nur das soll sie sein, keine Willenslähmung...

 

...Sie werden mich nun fragen, wie man sich persönlich zum Hellsehen stellen soll − und ich möchte Ihnen darauf antworten: wie zu allen Gebieten des Okkultismus auch zu diesem wichtigsten: ohne materialistischen Dünkel und ohne mystischen Aberglauben. Ich empfehle niemandem, die Gelegenheiten aufzusuchen, sich von hellsichtigen Personen sein Schicksal sagen zu lassen. Ebensowenig aber würde ich es in einer so ereignisschweren Zeit wie der heutigen für richtig halten, einer sich von selbst bietenden Möglichkeit ängstlich auszuweichen, es sei denn, daß man eine deutliche Abneigung davor empfindet, die dann wohl meist eine Warnung des Überbewußtseins sein dürfte. Freilich soll man sich nicht irgendwelche Voraussagen aus billiger Neugier machen lassen. Wird einem nun aber von einem Hellsichtigen etwas gesagt, so ist es eine unerläßliche Bedingung, daß er auch vor allem Ereignisse der Vergangenheit richtig anzugeben vermag, denn die Zukunftsangaben allein können ebensogut nichts als Spielerei oder Betrug sein. Ein Beweis der Hellsichtigkeit ist im persönlichen Falle erst dann erbracht, wenn auch die sofort nachprüfbare Kenntnis der Vergangenheit wenigstens in einzelnen charakteristischen Momenten geboten wird.

Ferner sollte man niemals blind auf solche Aussagen sich verlassen, sein Handeln und Denken nun ganz nach ihnen einrichten. Auch ein Hellseher ist kein Automat und kann sich sehr täuschen, kann indisponiert sein usw. Zudem muß man sich stets vor Augen halten, daß selbst ein hochgradig hellsichtiger Mensch doch nur Teilbilder eines Schicksals beim anderen sehen wird, Bilder, die in ihrer Weise wohl sich erfüllen mögen, die aber sehr wesentlich modifiziert werden können durch andere, die der Hellseher in diesem Augenblick nicht wahrnimmt. ...

...Unter allen angeführten Gesichtspunkten aber richtig eingeschätzt, kann die Angabe eines Hellsehers zur wertvollen Bereicherung des Horizonts werden – und nur das soll sie sein, keine Willenslähmung.

 

6. Vortrag

 

Ich habe Ihnen, ausgehend von den Fragen nach Schicksal und freiem Willen, über die Wiederverkörperungslehre und das Karmagesetz bis zum Gottesbegriff und der Vergottung in ihm ein Bild zu gestalten versucht, wie sich ein Sinn in der menschlichen Evolution finden ließe. Es sollte nicht mehr als ein Bild sein, es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen dieses Bild irgendwie als Dogma zu empfehlen, sondern es ist ganz Ihre eigenste Angelegenheit, sich eine Tatsächlichkeit für sich selbst daraus zu formen nach Ihrer eigenen Wahl und Ihrem eigenen Willen. Welcher Weg der Weiterforschung und der Weiterentwicklung Ihnen der geeignete erscheint, werden Sie ja selbst an der Hand der gegebenen Daten entscheiden können. Ich bezweckte lediglich, Ihnen eine Übersicht und eine Einführung in ein schwer gangbares und schwer übersehbares Gebiet zu geben. Aus diesen Anregungen aber läßt sich leicht für jeden Einzelnen ein selbständiges Weiterbauen ermöglichen, das natürlich nicht mehr Aufgabe meiner Vorträge sein kann. Darum will ich auch, wie bisher, darauf verzichten, ausführlich auf besondere Richtungen und ihre Führer einzugehen. Ich habe schon einmal betont, daß ich mich mit keiner der bestehenden Gesellschaften einverstanden erklären kann. Ich habe gewiß bei diesem oder jenem der heutigen geistigen Führer viel Gutes gefunden neben manchem, das ich nicht mitzumachen vermag oder ablehne, aber sie alle haben ihre Ideen meist auf eine sehr breite Basis gestellt, und nach den bisherigen Erfahrungen führt solch eine Verallgemeinerung oft sehr komplizierter esoterischer Erkenntnisse, die vielfach strittige, wenn auch interessante Spezialforschungen sind, bei allen nicht genügend charakterlich gefestigten und geistig vorbereiteten Menschen zum fanatischen Dogmatismus und zum sektiererischen Dünkel.

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